Unterwegs: Firmenporträts
Traditionswerk aus Fürth: Recycling mit Stil
Alte Kaffeesäcke sind eigentlich ein Wegwerfprodukt - allerdings nicht für die Designerin Sonja Born. Seit einem Jahr gestaltet sie aus den bedruckten Jutestoffen wunderbare Taschen und Wohnaccessoires und gründete damit ihr Label "Traditionswerk".
Tasche aus einem alten Kaffeesack (Foto: Traditionswerk)
Für Sonja Born ist ein Kaffeesack viel mehr als ein gewöhnlicher Aufbewahrungsort:
"Jeder Kaffeesack erzählt eine Geschichte", sagt sie: "Es gibt zum Beispiel ein Modell, auf dem ein hüpfender Mann mit Krückstock zu sehen ist. Dieser Sack kommt aus einem Kaffeeanbaugebiet Vilcabamba in Ecuador." Wenn Sonja Born einen so herrliches Stück wie das aus Vilcabamba findet, beginnt der kreative Prozess: Je nachdem welcher Ausschnitt des Kaffeesacks verwendet werden soll, überlegt die Designerin sich einen passenden Schnitt.
Kissen, Wandschmuck und Taschen
"Ich versuche immer den ganzen Sack ausnützen, was manchmal ganz schön schwierig ist. Aus einem kleinen Modell kann ich vielleicht nur ein kleines Täschchen anfertigen, aus einem größeren einen ganzen Sitzhocker." So hat Sonja Born mit viel Kreativität in kürzester Zeit eine Kollektion von rund 60 verschiedenen Stücken gestaltet: neben Taschen kreiert die Designerin Kissen, Wandschmuck, Zeitungsboxen, Laptoptaschen oder große Würfel zum Sitzen – und jedes Stück ist ein Unikat.
Gemusterte Tasche aus dem "Traditionswerk" (Foto: Traditionswerk)
Mit Kaffeesack bespanntes Regal (Foto: Traditionswerk)
Der Beginn: Ein Besuch im Coffeeshop
Hätte Sonja Born allerdings vor etwa einem Jahr nicht zufällig einen Coffeeshop in Nürnberg besucht, wäre ihr Label "Traditionswerk" vielleicht heute noch in weiter Ferne. "In dem Cafe standen in der Ecke wunderbare Kaffeesäcke zur Entsorgung und da kam mir plötzlich die Idee eine Tasche daraus zu nähen." Und damit der ersten Kreation bald eine ganze Kollektion folgen konnte, knüpfte die Designerin Kontakte zu verschiedenen Kaffeeröstereien, die sie seither mit Säcken aus der ganzen Welt versorgen.
"Es gibt so viele unterschiedliche Modelle: Manche zeigen verschiedene Schriftzüge, andere Bilder von Pumas, Kängurus, Elefanten oder Kaffeebohnen. Kein Sack gleicht dem anderen, weil die Drucke nie ganz genau gleich aussehen." Auf die Frage, ob ihre Kreationen denn nach Kaffee duften, muss Sonja Born ein wenig lachen: "Wenn die Kaffeesäcke längere Zeit in der Rösterei standen, nehmen sie ein bisschen den Geruch an. Ansonsten riecht der frisch gepflückte Kaffee ja nicht, wenn er in den Säcken transportiert wird. Meine Taschen duften also eher nach Jute."
Verzierter Geldbeutel (Foto: Traditionswerk)
Designerin Sonja Born
(Foto: Traditionswerk)
Jute und Spitze
Neben Kaffeesäcken verwendet Sonja Born übrigens auch alte Stoffe für ihre Produkte: hochwertige Spitzen, Seidenstoffe oder alte Baumwollstoffe aus Omas Zeiten, die sie auf Flohmärkten oder im Bekanntenkreis sammelt. Und so gestaltet die Designerin aus ihrem riesigen Sammelsurium unterschiedlichster Materialen – in Ihrem Atelier füllen sie viele Kisten und Schachteln - immer neue Kreationen oder sie erfüllt besondere Kundenwünsche: "Einmal wollte eine Dame, dass ich eine Jacke aus einem Jutesack ihres Opas nähe. Und ein andermal habe ich für ein Ehepaar einen Regenschirmständer au Kaffeesäcken gestaltet", erzählt Sonja Born. Wer die Traditionswerk-Kollektion kennen lernen möchte, besucht die Designerin am besten in ihrem Atelier in Fürth. Außerdem gibt es die Stücke auch im Internet – und natürlich bei einigen Coffeeshops und Kaffeeröstereien.
Text: Marion Stieglitz
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