Auf und Nieder immer wieder
Schaukelstuhl (Foto: Masions du Monde)
Hansdampf in allen Zimmern: Schaukelstühle passen nahezu in alle Räumlichkeiten. Im Schlafzimmer oder Wohnzimmer als Lesesessel, im Arbeitszimmer als Inspirationsschaukel und im Kinderzimmer als sportliches Sitzmöbel. Einzig im Bad wippt es sich nicht ganz so gut (Foto: Maisons du Monde)

Schwungvoller Schaukelstuhl

Kaum ein anderes Sitzmöbel steht derart für Gemütlichkeit wie der Schaukelstuhl. Und kaum ein anderes Möbelstück blickt auf eine... nun ja, bewegtere Geschichte zurück: Angeblich von Benjamin Franklin erfunden schaffte es der von zwei amerikanischen Präsidenten hoch geschätzte Sessel sogar ins Weiße Haus. Seit fast 400 Jahren wippt der Schaukelstuhl überall auf der Welt in Wohnzimmern und Bibliotheken.
Ob es nun wirklich der leidenschaftliche Tüftler und amerikanischen Staatsmann Benjamin Franklin (1706 – 1790) war, der den Schaukelstuhl erfunden hat, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Es heißt zumindest, Franklin habe sich einen Lehnstuhl gebaut und mit Rollen versehen, um in seiner Bibliothek schneller von Regal zu Regal flitzen zu können. Von Schaukeln war jedoch nie die Rede.

Zudem gibt es erste Erwähnungen von Schaukelstühlen bereits aus der Zeit der Pilgrim Fathers um das Jahr 1620. In Anbetracht des harten Lebens zu jener Zeit verwundert es nicht, dass die Siedler gebogene Holzkufen unter Stühle aus Kirsche, Nussbaum oder Ahorn montierten. So war wenigstens nach dem vollbrachten Tagwerk etwas Entspannung gewährleistet. Die Sorgen wurden so auf der Veranda oder im Haus ein klein wenig weggeschaukelt. Als stilprägend für die weitere Entwicklung des Möbelklassikers gilt der funktionalistische "Shaker"-Schaukelstuhl.

Schaukelstuhl Twin Oakes (Foto: American Homestyles)
Erste Berichte über Schaukelstühle gibt es aus der Zeit der Pilgrim Fathers in Massachusetts um 1620. Vereinzelt traten die Stühle jedoch auch vorher schon in Europa auf (Foto: American Homestyles)
Die von den Mitgliedern dieser christlichen Freikirche getischlerten Möbel zeichnen sich durch hohe Funktionalität und das Fehlen sämtlicher Ornamentik aus.
1860 fertigte der deutsche Tischlermeister Michael Thonet mit dem Schaukelstuhl Nr. 1 aus Buchenholz einen weiteren Meilenstein in der Geschichte des wippenden Sitzmöbels. Thonet verwendete dabei das Bugholzverfahren, bei dem der Werkstoff zunächst durch Wasserdampf oder durch Kochen erweicht, dann gebogen und anschließend eingespannt wird.

So gegen Rückformung gesichert werden die Formteile getrocknet.
Die zwei wohl populärsten Präsidenten der Vereinigten Staaten, Abraham Lincoln (1809 – 1865) und John F. Kennedy (1917 – 1963) waren begeisterte Schaukler. Kennedy, der an chronischen Rückenschmerzen litt, besaß gleich mehrere Rocking Chairs und verschenkte darüber hinaus zahlreiche Stühle an Freunde und Staatsgäste.

chaukelstuhl aus gebogenem Bambus (Foto: Bloomingville, Collection 2016)
Schaukelstühle gibt es in den unterschiedlichsten Spielarten: Ein Klassiker ist der der Schaukelstuhl aus gebogenem Bambus. (Foto: Bloomingville, Collection 2016)
Wurden die Urtypen wie Shaker-Schaukelstuhl oder der Schaukelstuhl Nr. 1 von Thonet noch vollständig aus Holz gefertigt, sind zeitgenössischen Schaukelstühlen in Sachen Material keinerlei Grenzen gesetzt. Rattan, Korbgeflecht, Kunststoffe und Stahl werden ebenso eingesetzt wie unterschiedliche Stoffe, Polster und Leder. Von den manigfaltigen Spielarten in Form und Design ganz zu schweigen.

Verspielt, elegant, puristisch und kreischbunt. Alles ist möglich. Alles ist erlaubt. Da wäre etwa das Modell "Mademoiselle" des finnischen Designers Ilmari Tapiovaara von 1956, dem filigranen Modell "Stingray" (2002) von Thomas Pederson, das an die eleganten Bewegungen eines schwimmenden Rochens erinnert oder die kunstvoll geschwungene Schaukelliege "Voido", die der isarelische Industriedesigner Ron Arad schuf. Die Aufzählung könnte man mehrere Stunden weiterführen. In einem Schaukelstuhl dürfte das auch kein Problem sein. Und der Stuhl selbst? Er wippt, und wippt, und wippt, und wippt, und wippt ... Text: Kai Glinka

Schaukelsessel von Impressionen
Kombination von Tradition und Moderne. Dieser Schaukelstuhl aus schwarzen Stahlrohr ist angenehm gepolstert. Den Schaukelsessel gibt es bei Impressionen. (Collection 2016)

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